Dienstag, 5. Juli 2011

Real Life und WoW

 
Was habe ich mich schon über den Satz "Real Life geht vor" aufgeregt. Zum Glück hat sich das aber in den letzten ein bis zwei Jahren massiv verändert, ich habe diesen Satz sehr lange nicht mehr gehört und bin froh drum. Es scheint sich nämlich rumgesprochen zu haben, dass man bei WoW im Gruppenspiel eben nicht mit Bytes und Pixeln zusammenspielt, sondern mit echten Menschen. Und auf diese echten Menschen soll man genauso viel Rücksicht nehmen wie auf den echten Menschen, der bei einem im Wohnzimmer sitzt. Notfälle gehen immer vor, das hat aber mit "real life" nichts zu tun.

Nun lese ich aber bei sharmaynn von Verleumdungen und Lügen innerhalb einer Gilde und dazu den Satz "Im realen Leben wäre das strafbar". Ich habe es dort schon kommentiert, möchte es aber zum Anlass nehmen, es auch in einem eigenen Blogbeitrag aufzunehmen. Das Thema ist mir nämlich sehr wichtig.

Natürlich sind Verleumdungen innerhalb von WoW genauso strafbar wie jede andere Form der Verleumdung. Es heißt zwar immer wieder in den Medien, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist, aber das ist trotzdem totaler Blödsinn. In vielen Fällen ist die Strafverfolgung schwerer (Anonymisierungsserver etc.), aber davon ist die Tat an sich nicht rechtens, nur weil sie im Internet passiert. Und gerade in WoW ist die Tatverfolgung sehr einfach.

Leider wird das Internet oft dazu verwendet, andere zu denunzieren oder zu beleidigen, weil man sich anonym sicher fühlt oder glaubt, dass das wirklich erlaubt wäre. Es gibt leider sogar Plattformen, die das explizit unterstützen und auch soziale Netzwerke werden dazu leicht missbraucht.

Bitte unterstützt das nicht, benehmt euch im Internet genauso wie auf der Straße. Die Regeln sind die gleichen, und irgendwann wird sich das auch rumsprechen.

Und vergesst nie, wenn ihr mit jemanden zusammen etwas macht: Man sieht sich immer zweimal im Leben!

Kommentare:

Nomadenseele hat gesagt…

Letztendlich ist Knatsch dort, wo Menschen aufeinander treffen, wohl unvermeidbar. (Wobei ich in dem Bericht wirklich Mitleid mit dem Bärchen bekommen).

Es gibt abe reinen entscheidenen Unterschied zu richtigen Leben: Ein Krach bedeutet in 99% der Fälle in WoW das Beziehungsaus und das Leute sich über Jahre hinweg ohne Menungsverschiedenheit gut vertstehen, ist doch eher selten.

Im richtigen Leben in die Chance, dass man sich ausspricht und die Dinge klärt ungleich größer - in WoW schaukeln sich die Dinge ganz gerne gegenseitig hoch.

Leome hat gesagt…

Du verwendest auch den Ausdruck "richtiges Leben" als Gegensatz, genau da wollte ich drauf hinaus, dass das hier kein Gegensatz ist. Auch eine WoW-Communitiy ist halt richtiges Leben.

Und ja, genau das ist meiner Meinung nach das Problem. Viele denken "ich seh dich nicht, also bist du nicht da" und genau da will ich gegenan gehen. Und gegen den Irrglauben, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist.

Also tue ich mit meinen beschränkten Mitteln etwas dagegen. Wenn nur einer diesen Artikel liest und seine Einstellung deswegen ein bißchen ändert, bin ich schon zufrieden. :-)

Anonym hat gesagt…

@Nomadenseele
Ja, mir tat unser Bärchen auch leid. Aber mittlerweile haben sich die Wogen geglättet und unser Bärchen unterstütz uns heilkräftig mit seinem Priester beim Raid. Auch im TS ist er ständig zu gegen und böse Worte gabs auch nicht mehr.

@Leome
Ich glaube den Ausdruck "das richtige Leben" bekommt man nicht so schnell aus den Leuten raus. Ich gebe zu das für mich da auch immer noch ein Unterschied besteht, obwohl ich dir recht geben muss. Das Internet ist und darf keine rechtsfreie Zone sein. Jedoch wollen viele wahrscheinlich sämtlichen Ärger vermeiden und ziehen sich einfach woanders hin zurück. Es ist im Spiel eben auch viel einfacher: man wechselt einfach den Namen/Server/Fraktion und der Ärger ist umgangen.
Vielleicht sollte mal wirklich derjenige der angegriffen wurde weitere Schritte einleiten.

Leome hat gesagt…

Was für ein Unterschied besteht denn für dich?

Wenn hier bei mir ein häuslicher Notfall eintritt, lass ich mit knappen Worten alles stehen und liegen. Das würde ich aber nicht anders machen, wenn Freunde von mir im Wohnzimmer sitzen würden.

Wenn jemand hier aber z.B. anruft und ein bißchen mit mir quatschen will, während ich gerade in einer Gruppe spiele, würde ich ihn, genauso wie wenn ich Besuch hätte, auf später vertrösten und entsprechend zurückrufen.

Nomadenseele hat gesagt…

Ich sehe durchaus einen Unterschied, ob ich einem Menschen gegenüberstehe oder ob ich ihn nur virtuell *kenne*.

Natürlich tippe ich *im RL* auf der Tastatur und natürlich löst das bei jemand anderen Gefühle aus. Aber für mich fühlt es sich anders an.

Ganz davon abgesehen:

Woimmer man ist, sei es Verein, Arbeit oder Schule, muss schon deswegen das Gespräch suchen, weil ich mit den Leuten klar kommen möchte / muss. In WoW schiebt man die anderen eben ab (wirklich interessant fand ich den Fall eines Bloggers / Spielers, der selbst langjährige Bekannte bei einer Meinungsverschiedenheit gleich fallen lässt). Stelle dir so jemanden mal im Fußballverein ect. vor...ginge gar nicht. Aber in WoW kommen so Leute irgendwie immer durch.

Ich habe es auch einmal bei mir gemerkt, ich hatte mal einen auf der Igno, der der Freund einer Freundin war und am Ende einer meine rbesten Online-Freunde gewesen und mir sogar das Braufest-Mount geschenkt hat.
Vermutlich hatte er oder ich einen schlechten Tag und schon hätten wir uns nie wieder angesehen.

Nomadenseele hat gesagt…

Ja, mir tat unser Bärchen auch leid. Aber mittlerweile haben sich die Wogen geglättet und unser Bärchen unterstütz uns heilkräftig mit seinem Priester beim Raid. Auch im TS ist er ständig zu gegen und böse Worte gabs auch nicht mehr.
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Trotzdem traurig, dass er wegen so einem Idioten seine ganzen Freundschaften auf den Server aufgeben und durch den Serverwechsel auch noch finanzielle Nachteile hinnehmen musste.

Von der Situation, dass er beschimpft wurde, ohne dass er wusste, wie ihm geschieht ganz abgesehen.
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Also tue ich mit meinen beschränkten Mitteln etwas dagegen. Wenn nur einer diesen Artikel liest und seine Einstellung deswegen ein bißchen ändert, bin ich schon zufrieden. :-)

- Genau deswegen habe ich auch meine Kommentare geschlossen - wegen einem Psychopathen (anders kann man das nicht mehr nennen), der sich seit 2 Jahren (!) bei mir in den Kommentaren austobt. Dein Anliegen ist edel, aber am Ende rennst du nur bei denen offene Türen ein, die ohnehin einigermaßen klar im Kopf sind, die anderen kapieren es ohenhin nicht.

Nomadenseele hat gesagt…

Trackback: http://nomadenseelewow.wordpress.com/2011/07/05/gedanken-zum-artikel-real-life-und-wow/

Charava hat gesagt…

Wie wäre es mit dem Todschlagsargument "Es ist doch nur ein Spiel"? Wird bei WoW auch immer sehr gerne benutzt als Vorwand, dass man sich nicht mit seiner Klasse und optimaler Ausrüstung und Spielweise auseinandersetzen muss. :) Fiel mir nur gerade ein.

Ansonsten kenne ich eher das Problem, dass Leute, die kein WoW spielen, es nicht nachvollziehen können, wenn man sagt, "Hab keine Zeit zum Telefonieren, bin gerade in ner Ini. Melde mich danach wieder bei dir." RL würde ja vorgehen. *seufz*

Danke für den Artikel. :)

Nomadenseele hat gesagt…

Für mich ist und bleibt es ein Unterschied, ob ich aktiv einen Sport machen wie Reiten oder Tennis, ob ich mit *richtigen* Menschen Umgang habe oder nur mit ein paar Pixeln.

Es würde schließlich auch niemand behaupten Tennis zu spielen, bloß weil er das Programm für die PS3 hat. Genauso ist das für mich, man hat in einer Ini keinen richtigen Umgang mit Menschen, sondern nur mit Abbildern von ihnen.

Leome hat gesagt…

Das finde ich sehr traurig. Und ich hoffe, dass ich im Spiel nie mit dir zu tun haben werde.

Ich weiß, dass die Menschen hinter dem Computer vollwertige Menschen sind, ich habe viele von ihnen, unter anderem meinen Mann, in den letzten 10 Jahren über das Internet kennengelernt. WoW und nur eine Form des Internets, über die man Menschen treffen und schätzen lernen kann.

Nomadenseele hat gesagt…

Wenn du das so siehst, kann ich es nicht ändern.

Ich brauche für den echten zwischenmenschlichen Umgang und das Gefühl, mit jemanden wirklich zu tun zu haben, einen Menschen aus Fleisch und Blut. Und dieses Gefühl will bei mir bei blauen Schriftzügen und vielleicht einmal einer Stimme im TS nicht aufkommen.

Leome hat gesagt…

Nein, das brauche ich nicht. Du bist dann vermutlich auch noch Filialbank-Kunde, weil der Sachbearbeiter am Telefon ja genauso abstrakt ist wie der Mitspieler im TS.

Ich bin in der Lage, auch einer Stimme gegenüber Respekt und Fairness im gleichen Umgang zukommen zu lassen wie den Menschen, die ich auf der Straße treffe oder mit denen ich gelegentlich oder oft zu tun habe. Natürlich gibt es überall Abstufungen zwischen Fremden, Bekannten und Freunden, aber innerhalb dieser Abstufung mach ich keinen Unterschied, ob der Mensch vor mir steht, ich mit ihm telefoniere, im TS rede oder mit ihm chatte. Und ich halte das auch für richtig, hier nicht zu unterscheiden.

Tertius hat gesagt…

Also ich seh das auch so wie Leome. Spätestens bei einem Gildentreffen (respektive Real-Life-Spieler-Treffen) hab ich immer wieder festgestellt, dass man lediglich das RL-aussehen der Mit-Spieler noch nicht kannte. Ansonsten waren es genau die Personen, wie ich sie aus dem Spiel heraus erwartete und kannte (inkl. TS-Stimme).

Wie viel man bereit ist das eigene Umfeld in Bereiche zu gliedern, ist letztendlich jedem selbst überlassen, ab meiner Ansicht nach sollte man schon das Soziale Umfeld "Ingame" und das "Real-Life" mal versuchen gleichberechtigt zu sehen. Immerhin treiben wir uns ingame wie auch in RL ja nicht mit Leuten rum, die uns gegen den Strich gehen ;-)

Leome hat gesagt…

Ich glaube, dieser Respekt, den man den Menschen im Netz entgegen bringt, zahlt sich auch aus.

Natürlich hatte auch ich schon zwischenmenschliche Reibereien, Gilden sind Zweckgemeinschaften, aber in jeder Gilde hatte ich schnell einen Stamm von Spielern, die ich fast als Freunde bezeichnen würde und die immer bereit sind, mir zu helfen, wenn ich Hilfe brauche und sie Zeit haben.

Klar wechselt das mal, Spieler kommen und Spieler gehen, aber zum Teil begleiten diese Menschen mich schon fast vier Jahre lang. Und viele von denen hab ich in der Zwischenzeit auch mal kennengelernt.